Über ISMO

1983 begann mit dem ersten Symposium zur Mobilen Jugendarbeit am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Tübingen der internationale street work Diskurs zum Konzept der Mobilen Jugendarbeit. 1992 nahm die International Society for Mobile Youth Work (ISMO), ein Fachverband im Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), dieses Anliegen auf und verstärkte zum einen den fachlichen Austausch innerhalb des wiedervereinigten Deutschlands. Mit dem Ende des Kalten Krieges und der politischen Wende 1989/90 war ISMO im Rahmen des von der Bundesregierung 1991 in den 5 neuen Bundesländer aufgelegten AGAG Programms besonders im Land Sachsen aktiv am Aufbau von Projekten der Mobilen Jugendarbeit beteiligt. Zum anderen war der internationale Diskurs schon 1988 an der Fachhochschule für Sozialwesen Esslingen mit dem 3. Symposium zur Mobilen Jugendarbeit und 1991 in Stuttgart mit dem 4. Symposium durch das Diakonische Werk der EKD sehr stark vorangekommen. Die bis zu diesem Zeitpunkt vorliegenden nationalen und internationalen Wissensbestände zu diesem Integrationskonzept der Jugendsozialarbeit für junge Menschen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten wurden auf nationaler und internationaler Ebene immer breiter diskutiert. Diesem Fachdiskurs folgte erstmals außerhalb Deutschlands 1994 in Santiago de Chile das 5. Symposium und 1995 das 6. Symposium zur Mobilen Jugendarbeit. In Chile standen heftige lateinamerikanische Kontroversen zur Kooperation von Sozialarbeit und Polizei, die Kritik am Verhalten der Polizei selbst gegenüber Straßenkindern („Todesschwadronen“) und an der totalen Institution als Lösungskonzept für Straßenkinder auf der Tagesordnung. In der Schweiz wurde schwerpunktmäßig die europäische Situation des Lebens und Überlebens von ausgegrenzten Kindern und Jugendlichen auf der Straße thematisiert. Hierbei wurde von ISMO geografisch betrachtet erstmals auch der frankophone und der osteuropäische Raum verstärkt in den Blick genommen.
 
Kontakte des Diakonischen Werkes der EKD zur russischen orthodoxen Kirche öffneten für ISMO ab 1992 viele Türen in russische Einrichtungen, soziale Dienste und totale Institutionen. Dies galt sowohl für kirchliche als auch für staatliche Einrichtungen. Über den Europäischen Verband für Diakonie (Eurodiaconia) wurden diese Kontakte ab 1996 noch verstärkt. So kam es 1998 in der Russischen Föderation, in St. Petersburg zusammen mit der Staatlichen Universität St. Petersburg, der Stadtverwaltung St. Petersburg und dem Europäischen Netzwerk für Straßenkinder weltweit (ENSCW Brüssel) zum 7. ISMO Symposium unter dem Thema „Mobile Jugendarbeit in Russland“ mit über 350 Teilnehmer/innen.
 
Das Interesse an dieser zwischenzeitlich international weiterentwickelten Konzeption unter staatlichen, freien und kirchlichen Trägern war so groß, dass im Jahre 2003 ein weiteres Symposium auf dem afrikanischen Kontinent stattfand. In Limuru/Kenia veranstaltete ISMO in Kooperation mit dem National Council of Churches Kenya (NCCK) das 8. Symposium unter dem Titel ‚Mobile Youth Work in Africa - Transformation of a worldwide Concept‘ mit 200 Teilnehmenden aus 35 Ländern der Erde, hauptsächlich jedoch aus Kenia und anderen afrikanischen Ländern. Als ein Ergebnis dieser internationalen Konferenz stellte sich für Kenia, aber auch für viele andere afrikanische Länder ein vergleichsweise ähnlich starker Bedarf nach Qualifikation in Mobiler Jugendarbeit wie in Osteuropa heraus. Diesen unerwarteten Anfragen konnte ISMO bislang jedoch kaum entsprechen. Aus sozialpolitischen, finanziellen und geografischen Gründen hatte ISMO schon 1999 mit der konkreten Qualifizierungsarbeit zum Konzept der Mobilen Jugendarbeit zunächst in den 3 russischen Städten Moskau, Smolensk und St. Petersburg begonnen. Seitdem sind die 4 weiteren russischen bzw. sibirischen Städte Tscheljabinsk, Omsk, Novosibirsk und Irkutsk hinzugekommen (Fördrung durch Caritas International). Seminare, Konferenzen und Qualifizierungskurse zur Mobilen Jugendarbeit wurden und werden aber auch in den 6 weiteren zentral-, südost- und osteuropäischen Ländern Estland, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Bulgarien, Rumänien, Ukraine und Georgien durchgeführt. Anfragen nach Qualifizierungen aus den weiteren Ländern wie Polen, Litauen, Moldavien und Serbien liegen vor.
 
Wesentliche Gründe für die verstärkte Nachfrage lagen darin, dass in den GUS-Staaten (CIS countries) und in südosteuropäischen Ländern (SEE countries) nach Aussagen des Innocenti Research Centre Florenz von UNICEF die Einkommensarmut bei Minderjährigen (Kinderarmut) zwar zurückging und der Zugang zu sozialen Diensten im allgemeinen verbessert und stabilisiert werden konnte, bei den klassischen Zielgruppen (children at risk) der Mobilen Jugendarbeit jedoch kaum Wirkungen erzeugte oder dort gar nicht an kam. Die relative Wirkungslosigkeit reiner ökonomischer Verbesserungen wurde für viele Vertreter sozialer Dienste in Osteuropa deutlich. Dies gilt ohne Einschränkung auch für unsere Kooperationspartner in den einzelnen Projekten vor Ort. Ausgegrenzte, verachtete und vernachlässigte (junge) Menschen brauchen vermittelnde Dienste sozialer Arbeit, die Respekt und Anerkennung inszenieren. Hier liegt nun gerade eine der zentralen Stärken des Konzeptes der Mobilen Jugendarbeit. Wo immer dieses Konzept fachlich fundiert und auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes und der UN Kinderrechtskonvention angewandt wird, schafft es durch solidarische Hilfe gelingende Kontakte und Vertrauen bei ausgegrenzten jungen Menschen („reaching the unreachable“). Es ermöglicht und öffnet Zugänge zu sozialen Diensten und bildet soziales Kapital im Alltag der Zielgruppen. Wo Hilfestrukturen fehlen, gibt es Impulse für den Aufbau von Basisstrukturen und knüpft kritisch-solidarische soziale Netze. Sämtliche Kooperationspartner von ISMO machten immer wieder deutlich, dass genau für diese konzeptionelle Sichtweise in ihrer Stadt, in ihrer Region, in ihrem Land ein hoher Bedarf an Austausch und Zusammenarbeit besteht.
 
Der im Oktober 2006 vorgelegte Bericht des Innocenti Research Centre in Florenz spricht von immer noch geschätzten 18 Millionen Kindern unter 15 Jahren, die in den genannten Regionen Osteuropas und der GUS-Staaten unter den Bedingungen von extreme Einkommensarmut leben. Dazu werden besonders Kinder gezählt, die in ländlichen und wirtschaftlich benachteiligten Regionen leben, innerhalb geschwächter Familienstrukturen aufwachsen müssen, in totalen Institutionen (Heimen) untergebracht sind und Kinder, die ethnischen Minoritäten angehören. Der Zugang zu Gesundheits- und Bildungseinrichtungen ist für diese Zielgruppe ebenfalls nach wie vor erschwert. Die Ausrichtung des UNICEF Social Monitor 2006 Berichtes auf die Bekämpfung von Kinderarmut geht von der auch von ISMO vertretenen Annahme aus, dass extreme Einkommensarmut bei Minderjährigen stets gekoppelt ist mit der Verweigerung zahlreicher fundmentaler Rechte wie sie in der UN Kinderrechtskonvention festgelegt sind.
 
Angesichts solcher aktueller dramatisch hohen Zahlen von Kindern und Jugendlichen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten und bestehender Kinderarmut in Osteuropa, aber auch angesichts der wachsenden Zahl von Jugend- und Sozialarbeitern, die in den postkommunistischen Staaten von den bislang dominanten repressiven „Lösungswegen“ wegkommen wollen, ist der Bedarf an entsprechenden Basisstrukturen sozialer Dienste und qualifizierten Fachexperten weiter gestiegen. Für ISMO steht zu den Qualifikationskursen in Mobiler Jugendarbeit ein bundesweites, ja europäisches Reservoir an erfahrenen und hoch motivierten Experten/innen zur Verfügung. Die Finanzierung basiert bisher allerdings noch auf zu geringen Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Zuschüssen zu den Eigenmitteln des Vereins. Daher wurden bei der Deutschen Behindertenhilfe - Aktion Mensch e.V. seit 2005 bislang 11 Anträge auf Förderung aus dem Programm zur Förderung von Basisstrukturen in Osteuropa gestellt und bewilligt. Hierzu sind aber bei jedem einzelnen Projekt ebenfalls erhebliche Eigenmittel erforderlich. Ein Projekt läuft in der Regel 12 - 18 Monate und besteht aus einem Kurs Mobile Jugendarbeit, der in 3 dreitägigen Seminaren in der jeweiligen osteuropäischen Partnerstadt durchgeführt wird. Als generelles Ziel eines Kurses ist formuliert:
 
Die Qualifizierungsseminare von ISMO zur Mobilen Jugendarbeit richten sich an Praktiker/innen und Wissenschaftler/innen sowie Schlüsselpersonen der Jugend-, Behinderten- und Sozialpolitik, die mit Kindern und Jugendlichen mit besonderen sozialen Schwierigkeiten arbeiten oder arbeiten wollen und keine qualifizierte Ausbildung oder ein Zertifikat in Mobiler Jugendarbeit haben. Ihnen soll durch den Kurs, der fachliche Kompetenz, Erziehung, Bildung und den Aufbau zivilgesellschaftlicher Kräfte in den Mittelpunkt stellt, die Möglichkeit gegeben werden, sich in Mobiler Jugendarbeit zu qualifizieren. Nach einem von ISMO ausgearbeiteten Curriculum, das auf die jeweilige kulturelle, soziale und politische Situation vor Ort ausgerichtet wird, erlernen die Teilnehmenden des Programms die grundlegenden Prinzipien der Mobilen Jugendarbeit und schließen den Kurs mit dem Erhalt eines Zertifikates ab.
 
Die Hauptaktivitäten in den oben aufgeführten 11 Projekten sind überwiegend erfolgreich abgeschlossen. Insgesamt wurden wie geplant 33 Qualifizierungsseminare unter Mitwirkung von 62 ISMO Referenten/innen und 91 ausländischen (einheimischen) Referenten/ innen und Koordinatorinnen in den Projektstandorten durchgeführt. Eine differenzierte Darstellung des jeweiligen Ablaufs der 11 Projekte mit sehr unterschiedlichen und komplexen Ergebnissen ist in der ISMO Geschäftsstelle einzusehen. Die starke Nachfrage nach Basistexten zur Mobilen Jugendarbeit in der jeweiligen Landessprache hat dazu geführt, dass mit der Förderung von Aktion Mensch es möglich wurde diese für folgende Sprachen zu erstellen: Estnisch, Russisch, Tschechisch, Slowakisch, Ungarisch, Bulgarisch und Georgisch.

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